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Forschungsansatz

Die Forschung am Institut verfolgt zwei miteinander verwobene Linien: Eine vertikale Linie widmet sich der Rekonstruktion des Modells documenta in der Metamorphose ihrer bisherigen Ausstellungen. Eine horizontale Linie erforscht das Modell des Ausstellens im globalen Feld der Kunst. Modell meint in beiden Fällen einen Komplex von Aussagen, Inszenierungen, Herrichtungen, Einbeziehungen und Ausschließungen, der sich von Ausstellung zu Ausstellung verändert, bereichert und reflektiert und als „travelling object“ im weltweiten Netzwerk von Großausstellungen unterwegs ist. Dazu ist allerdings auch die historische Tiefenerschließung der Kulturtechnik des „Ausstellens“ vor den modernen Ausstellungen von Gegenwartskunst nötig.

Das documenta Institut in seiner Forschungs- und Lehrgestalt ist damit ein Institut für globale Ausstellungsstudien, die im Ausgang von Praktiken und Medien des Ausstellens die Künste als gesellschaftliches Phänomen ins Auge fassen. Dass der Zugriff auf die Gegenwartskunst ausgehend von Ausstellungen erfolgt, hat ein doppeltes Ziel: Einerseits trägt dies der grundlegenden Tatsache Rechnung, dass Kunst erst dadurch existiert, dass sie ausgestellt wird. Andererseits können damit auch Phänomene und Akteur*innen in den Blick gerückt werden, die über Künstler*innen und Kunstwerke hinausweisen.

Das documenta Institut greift in seinen Forschungen auf die umfangreiche Sammlung des documenta archivs zurück, das die einzigartige Chance bietet, eine prominente Ausstellung von Gegenwartskunst in ihren Wandlungen und Wirkungen zu verfolgen. Dieses im Zeitstrahl aufbereitete Material bietet dem documenta Institut in doppelter Weise Stoff für die Forschung: Es kann gezielt befragt und genutzt werden, es kann aber auch als Inspirationsquelle für die Entwicklung von Fragestellungen dienen, die sich aus überraschenden Funden und plötzlichen Einsichten ergeben.

So betreibt das documenta Institut Grundlagenforschung über die performative Verfasstheit von Gegenwartsgesellschaften, es erprobt Hypothesen über Aktivierungsmodi und es führt Gegenwartsanalysen über Ausstellungen von Gegenwartskunst vor.

Forschende

Prof. (i.R.) Dr. Heinz Bude
Gründungsdirektor
Mateo Chacón Pino
Assoziierter Forschender
Michael Flörchinger
Kaufmännischer Geschäftsführer
Prof. Dr. Liliana Gómez
Professur „Kunst und Gesellschaft“
Yulia Gromova
Assoziierte Forschende
Max Grünberg
Wissenschaftliche Mitarbeit
Marius Kemper
Wissenschaftliche Mitarbeit
Dr. Gwendolin Lehnerer
Wissenschaftliche Mitarbeit
Dr. Maria Neumann
Wissenschaftliche Mitarbeit
Andreas Niegl
Assoziierter Forschender
Linda Schiel
Wissenschaftliche Mitarbeit
Prof. Dr. Felix Vogel
Professur „Kunst und Wissen“
Prof. Dr. Mi You
Professur „Kunst und Ökonomien“
Claire Valérie Zimmermann
Wissenschaftliche Mitarbeit

Projekte und Kooperationen

Ecosystems, NGO-ization und die Zukunft der gemeinschaftsorientierten Kunst: Die documenta fifteen als Fallstudie

Ein neues, von der DFG gefördertes Forschungsprojekt zur documenta fifteen wird diesen Sommer am Fachgebiet Kunst und Ökonomie starten. Der Fokus liegt auf dem lumbung-Konzept von ruangrupa als sozial engagierte künstlerische Praxis im Globalen Süden. Durch eine eingehende Untersuchung der Infrastrukturen, organisatorischen Praktiken und konzeptionellen Positionen von Künstler*innen und Kollektiven zielt das Projekt darauf ab, eine fundierte Analyse des neuartigen Ansatzes der documenta fifteen und seiner Auswirkungen auf die Zukunft der documenta, die globale Kunstwelt und die Rolle von Kunstinstitutionen im Globalen Norden zu liefern.

Ecosystems, NGO-ization und die Zukunft der gemeinschaftsorientierten Kunst: Die documenta fifteen als Fallstudie

Watch on a Promotory: Internal and External Artistic Exchanges in East, Southeast, and South Asia in the 1950s-1980s

Bei dem Forschungsprojekt „Watch on a Promontory: Internal and External Artistic Exchanges in East, Southeast, and South Asia in the 1950s-1980s“ arbeiten unter der Federführung des Goethe-Instituts China diverse Goethe-Institute (Kolkata, Hanoi, Jakarta/Bandung, Kyoto, Manila, Mumbai und Seoul) zusammen. Das documenta Institut wird 2025 zum Abschluss des Projekts eine Konferenz in Kassel veranstalten und eine Publikation erstellen.

Watch on a Promotory: Internal and External Artistic Exchanges in East, Southeast, and South Asia in the 1950s-1980s

Dissertationsvorhaben

Die Zeit der Zugehörigkeit. Sechs Portraits aus der documenta Stadt Kassel

Das Dissertationsvorhaben nimmt Kassels Verhältnis zur documenta in den Blick. Es setzt an Kassels Identitätsbehauptung als documenta Stadt an und geht der Frage nach, wie sich in Kassel über die documenta städtische Zugehörigkeiten vermitteln, verschieben und verschließen.

Die Zeit der Zugehörigkeit. Sechs Portraits aus der documenta Stadt Kassel

The Distinction of Art and Nature. Temporal Epistemologies of Art History in Exhibitions

Das ökologische Interesse der Kunstgeschichte hat in den letzten Jahrzehnten ein fundiertes Verständnis für die Darstellung von ökologischen und umweltbezogenen Themen in Kunstwerken entwickelt. Dennoch stellt sich die Frage, ob und wie der Kunstbegriff die Unterscheidung zwischen Kunst und Natur konstituiert: Ist Öko-Kunst Teil der Natur, von der sie spricht?

The Distinction of Art and Nature. Temporal Epistemologies of Art History in Exhibitions