Forschungsansatz
Die Forschung am Institut verfolgt zwei miteinander verwobene Linien: Eine vertikale Linie widmet sich der Rekonstruktion des Modells documenta in der Metamorphose ihrer bisherigen Ausstellungen. Eine horizontale Linie erforscht das Modell des Ausstellens im globalen Feld der Kunst. Modell meint in beiden Fällen einen Komplex von Aussagen, Inszenierungen, Herrichtungen, Einbeziehungen und Ausschließungen, der sich von Ausstellung zu Ausstellung verändert, bereichert und reflektiert und als „travelling object“ im weltweiten Netzwerk von Großausstellungen unterwegs ist. Dazu ist allerdings auch die historische Tiefenerschließung der Kulturtechnik des „Ausstellens“ vor den modernen Ausstellungen von Gegenwartskunst nötig.
Das documenta Institut in seiner Forschungs- und Lehrgestalt ist damit ein Institut für globale Ausstellungsstudien, die im Ausgang von Praktiken und Medien des Ausstellens die Künste als gesellschaftliches Phänomen ins Auge fassen. Dass der Zugriff auf die Gegenwartskunst ausgehend von Ausstellungen erfolgt, hat ein doppeltes Ziel: Einerseits trägt dies der grundlegenden Tatsache Rechnung, dass Kunst erst dadurch existiert, dass sie ausgestellt wird. Andererseits können damit auch Phänomene und Akteur*innen in den Blick gerückt werden, die über Künstler*innen und Kunstwerke hinausweisen.
Das documenta Institut greift in seinen Forschungen auf die umfangreiche Sammlung des documenta archivs zurück, das die einzigartige Chance bietet, eine prominente Ausstellung von Gegenwartskunst in ihren Wandlungen und Wirkungen zu verfolgen. Dieses im Zeitstrahl aufbereitete Material bietet dem documenta Institut in doppelter Weise Stoff für die Forschung: Es kann gezielt befragt und genutzt werden, es kann aber auch als Inspirationsquelle für die Entwicklung von Fragestellungen dienen, die sich aus überraschenden Funden und plötzlichen Einsichten ergeben.
So betreibt das documenta Institut Grundlagenforschung über die performative Verfasstheit von Gegenwartsgesellschaften, es erprobt Hypothesen über Aktivierungsmodi und es führt Gegenwartsanalysen über Ausstellungen von Gegenwartskunst vor.