Symposium: Critical Fabulations of documenta

Datum: Donnerstag, 9. Juli 2026 – Freitag, 10. Juli 2026
Ort: Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel
Eröffnung: 9. Juni, 18 Uhr, Keynote von Nikita Dhawan

Kostenfreier Eintritt, Anmeldung wird benötigt unter: standop@documenta-institut.de
Das Symposium findet in englischer Sprache statt.

Das Symposium Critical Fabulations of documenta widmet sich den Leerstellen, Auslassungen und verdrängten Geschichten in den Erzählungen um die documenta. Diese Lücken werden nicht als Defizite, sondern als produktive Ausgangspunkte für neue Perspektiven auf ihre Geschichte verstanden. Im Zentrum stehen jene Stimmen, Bilder und Narrative, die in den offiziellen Geschichtsschreibungen der Ausstellung marginalisiert, übersehen oder nie vollständig sichtbar wurden. Statt nach einer linearen oder abgeschlossenen Erzählung der documenta zu suchen, fragt das Symposium danach, wie sich mit Brüchen, Widersprüchen und Lücken arbeiten lässt. Welche Formen des Wissens, Erzählens und kuratorischen Handelns können daraus entstehen?

Ausgehend von Saidiya Hartmans Konzept der Critical Fabulation verbindet das Symposium kunsthistorische Forschung, Archivarbeit, kuratorische Praxis und Storytelling. Hartman schlägt vor, die Lücken in der historischen Überlieferung als kreativen Ausgangspunkt zu nutzen und dem Schweigen des Archivs entgegenzuwirken. Critical Fabulation bietet dabei die Möglichkeit, dominante Narrative zu hinterfragen und alternative Formen der Geschichtsschreibung und kuratorischen Praxis zu erproben. Es geht nicht darum, Leerstellen endgültig zu schließen oder Gegengeschichten im Sinne einer vollständigen Korrektur zu formulieren. Vielmehr richtet sich der Blick auf die Bedingungen, unter denen Geschichte erzählt, erinnert und sichtbar gemacht wird.

Das Symposium beschäftigt sich konkret mit geopolitischen Spannungen, institutionellen Narrativen und den Mechanismen globaler Sichtbarkeit, die die Geschichte der documenta seit ihrer Gründung geprägt haben. Im Fokus stehen Fragen nach Abwesenheit und Nicht-Teilnahme, nach verdrängten politischen Kontexten, nicht realisierten Ausstellungen und alternativen historischen Möglichkeiten. Zugleich wird untersucht, wie Museen, Archive und Ausstellungsinstitutionen selbst zu Orten spekulativer und fiktionaler Praxis werden können: als Räume, in denen Vergangenheit nicht nur rekonstruiert, sondern neu imaginiert wird. In Anlehnung an Saidiya Hartman wird versucht, sich nicht nur vorzustellen, was war, sondern auch, was hätte sein können.

Speaker:
Charlotte Bank, Matteo Bertelé, Nikita Dhawan, Andreja Hribernik, Andrea Linnenkohl, Fabienne Liptay, Nadia von Maltzahn, Matthias Mühling, Dorota Sajewska, Nora Sternfeld

Das Symposium wird organisiert von Prof. Dr. Liliana Gómez und Luisa Standop.


Personen

Luisa E. Standop
Wissenschaftliche Mitarbeit